Yoga und Marketing schließen sich nicht aus

ie Yogalehrerin Carmen-Kamala Kegler erklärt Dir in diesem Artikel, wieso man sich als Yogalehrer zeigen darf – und sogar sollte!

Zeig Dich! Marketing und Yoga
Warum Du Deine Yogakurse zielgerichtet bewerben solltest

Vor ein paar Wochen sprach mich eine liebe Freundin, die gerade dabei ist ihre Yogalehrerausbildung zu beenden, darauf an, dass sie sich nicht wohl fühle, Werbung für ihre Kurse zu machen. Sie ist, wie manche Yogalehrer, eher ein introvertierter Typ und steht nicht so gern im Rampenlicht. Ihre Sicht hat sie mir so erklärt:

"Meine Kurse möchte ich mit vollem Herzen geben und meine ganze Energie auf das Unterrichten verwenden. Wenn ich mit meiner ganzen Kraft dabei bin, kann sich die Wirkung des Yogas am besten entfalten."

Dieses Gespräch hat mich dazu veranlasst, das Thema einmal aufzugreifen. Wahrscheinlich geht es manchen Yogalehrern genau wie meiner Freundin.

Zunächst einmal könnte ihre Einstellung zum Unterrichten nicht besser sein. Ihre Worte zeigen, wie wichtig ihr Yoga und wie sehr sie motiviert ist. Das ist sehr wertvoll!

Leider reicht dieser Fokus auf das Lehren alleine nicht aus, wenn man zusätzlich wenig Energie auf die Vermarktung der Kurse legt und sich, wie im Fall meiner Freundin, leider fast niemand im Kurs einfand.

 

 

Ich denke, es ist die Einstellung, die hier den Unterschied macht.

Wenn wir von der Qualität unseres Unterrichts überzeugt sind, dann dürfen wir dies auch (laut) sagen. Denn nur so werden sich genau die Menschen in unseren Kursen einfinden, für die unser Unterricht bereichernd ist und sie auf ihrem Weg weiter bringt.

Meiner Erfahrung nach besuchen sehr unterschiedliche Menschen unsere Probestunden und nur diejenigen kommen wieder, die auch zu uns passen beziehungsweise zu denen wir, in unserer Art Yoga zu unterrichten, passen.

Aber wer passt eigentlich zu mir und zu wem ich? Dazu muss man herausfinden, was am eigenen Unterricht besonders ist. Und dabei geht es – ganz im yogischen Sinne – nicht darum, „besser“ als andere Yogalehrer zu sein, sondern einfach nur anders. Wenn Du selbst genau sagen kannst, was Deinen Unterricht ausmacht, hilfst Du möglichen Yogaschülern, herauszufinden, ob Du derjenige bist, der sie auf ihrem Yogaweg begleiten soll – wie lange auch immer.

Das geht natürlich mit der Yogarichtung los. Um zu wissen, was an der Tradition, in der Du verwurzelt bist, besonders ist, musst Du auch andere kennen. In der Ausbildung lernt man eine Menge, doch Yoga bietet so viele Facetten, dass ein Blick auch in andere Yogarichtungen lohnt.

Mein Tipp: Schnuppere ab und zu mal in Kurse Dir unbekannter Yogalehrer rein. Lernen kann man immer etwas und es hilft den eigenen Stil einzuordnen.

Was macht Dich besonders?

Neben der Yogarichtung gibt es noch viele weitere Unterscheidungen. Yoga ist nicht gleich Yoga. 

Ist Dein Stil eher dynamisch oder ruhiger? 

Arbeitest Du gern mit Hilfsmitteln?

Wie wichtig sind bei Dir Atemübungen und Meditation?

Bietest Du Kurse für bestimmt Zielgruppen, wie z.B. Schwangere, Kinder oder ältere Leute?

Oder machst Du Yoga an einem ganz besonderen Ort? Hier kämen zum Beispiel Parks, ein Wald oder ein See in Frage.

Je nachdem, wozu Du tendierst, werden sich unterschiedliche Menschen angezogen fühlen. Gut ist, wenn Du Dir darüber bewusst bist und dies klar vermitteln kannst.

Und dann geht es los: Homepage, Flyer, Social Media, Online-Plattformen…

Hab keine Scheu Dich zu zeigen! Vielleicht erfordert es etwas Mut und die Überwindung sich mit Themen auseinander zu setzten, die Dir bisher noch unbekannt sind. Aber dies wird sicherlich belohnt.

Dein Unterricht ist wertvoll für ganz bestimmte Menschen, aber wie sollen sie von Deinen Kursen erfahren, wenn Du Dich „unter der Yogamatte“ versteckst?

Um die Menschen, die zu Deinen Stunden kommen, besser zu verstehen, erinnere Dich daran, wie es für Dich selbst war, als Du mit Yoga angefangen hast. Wie bist Du zu Deiner ersten Yogastunde gekommen? Was hat Dich angesprochen? Wieso bist Du gerade in diesem Kurs geblieben? Was hat Dir gut gefallen, was nicht so? Es kann sehr gut sein, dass Deine Schüler einen ähnlichen Blickwinkel haben.

Meistens kommen Menschen aus mindestens einem der folgenden Gründe zum Yoga: Entweder sie möchten ihrem Körper etwas Gutes tun, weil sie z.B. Rückenschmerzen plagen oder sie haben das Ziel, insgesamt innerlich ruhiger werden zu wollen. Stell Dich darauf ein, neuen Yogaschülern Antworten auf Fragen geben zu können, die zu ihrer Motivation mit dem Yoga anzufangen, passen.

Wenn Menschen begonnen haben Yoga zu praktizieren, begegnen sie meist irgendwann einem Yogalehrer, dessen Art zu unterrichten sie so berührt, dass sie spüren „Hier bin ich richtig!“. Meist bleiben Sie dann, manchmal über Jahre, im gleichen Kurs und der Yogaunterricht nimmt für sie mit der Zeit an Wichtigkeit zu. Oft empfinden sie Dankbarkeit dafür, wie Yoga ihr Leben bereichert.

Da draußen gibt es Menschen, für die genau Dein Unterricht der passende ist. Zeig Ihnen, dass Du da bist!

Irgendwann geht es für die meisten Yogaschüler weiter auf dem eigenen Yogaweg und sie suchen sich einen anderen Lehrer, der ihnen bietet, was sie genau in dieser neuen Phase brauchen.

Sei Dir bewusst, dass Yogaschüler auch wieder gehen und lass dann auch bereitwillig los. Ein anderer Yogaschüler wechselt vielleicht auch gerade und kommt dann in Deinen Kurs. Diese Einstellung hilft Dir mit dem Kommen und Gehen entspannt umgehen zu können und passt auch zur Yogaphilosophie.

Patanjali nennt in seinen Yogasutras fünf „Kleshas“, die „Störfaktoren im Geist“. „Raga“ ist eines von ihnen und bedeutet „Immer-wieder-haben-wollen“. Kleshas sind Hindernisse im Geist, die diesen aus der Ruhe bringen und zum Leiden führen. Wahre Freiheit wird nur erlangt, wenn man seine Kleshas hinter sich lassen kann. Richte auch Deine Art mit den Yogaschülern umzugehen nach der Yogaphilosophie aus.

Man kann seine Rolle also auch weniger als Lehrer, sondern vielmehr als Yogabegleiter sehen.

Nach unserem Gespräch hat meine Freundin es übrigens geschafft, über ihren eigenen Schatten zu springen. Sie hat herausgefunden, was an ihrer Art Yoga zu unterrichten besonders ist und hat für sich das Unterrichten von Schwangeren entdeckt. Heute ist ihr erster eigener Kurs bereits ausgebucht und sie überlegt bereits, wie sie einen zweiten organisiert.

Das kannst Du auch!

Viel Freude und Glück bei der Bewerbung und der Durchführung Deiner Yogakurse!